Von großen und kleinen Vögeln
Es doziert der Historiker mit strenger Miene: Meine Damen und Herren, machen Sie sich bitte die Dimension dieses Krieges bewusst. Wir sprechen hier von einer exorbitanten Mortalität bar jeder Reglementierung. Von 5,7 Millionen Kriegsgefangenen wurden ca. 2,5-3 Millionen in Kriegsgefangenenlagern systematisch liquidiert.
Ich halte einen Moment inne und schließe die Augen. Langsam verklingt das Rauschen. Mein Blick wandert nach oben und bemerkt den Adler. Mit mächtigen Flügeln reitet er auf unsichtbaren Wellen. Seine Heimat ist die Höhe, der Himmel, der frühere Wohnsitz der Götter. Ein moderner Gott, mit stechender Präzision wacht er über die Vergangenheit, beständig über dem schmutzigen Menschengewühle schwebend, sich nicht verunreinigend.
Aber wer sieht schon mit geschlossenen Augen? Also hebe ich die Lider, strenge den Sehapparat an und enttarne den Angeblichen. Nichts weiter als eine ängstliche Taube mit Übergewicht, von einem glücklichen Windstoss nach oben getragen. Ja, der Himmel kann auch Versteck sein. Aus majestätischem Flügelschlag wird hilfloses Taumeln, er leidet unter der dünnen Luft, überanstrengt die kleine Lunge.
Ob Adler oder Taube, zum Fressen kommen sie Alle nach unten.
Von großen und kleinen Vögeln
Von großen und kleinen Vögeln
werden.
-
Jack Swallow
- Sphinx
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- Registriert: 18.11.2007, 14:15
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Hallo Andres,
ich muss zuerst einmal ein Protestgeheul zur Verteidigung der Flugfähigkeit der gemeinen Taube anstimmen. Wir reden hier immerhin von einem Tier, bei dem fünfzig Prozent der Muskelmasse der Fortbewegung in der Luft dienen und das höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h erreichen kann und über viele, viele Kilomenter sich wieder heimfindet, ohne dass die Wissenschaft genau sagen könnte, wie sie es machen. Also, von wegen kleine Lungen und hilfloses Taumeln... :besserwisser:
Aber gut, darum geht es jetzt nicht. Also, zum Text: Der vom ersten Absatz aufgedrängte Deutungsansatz ist der, den Adler als Krieg (bzw. Krieger bzw. imperealistisch-agressive Nation etc.) und die Taube als Frieden (bzw. Opfer bzw. Pazifismus etc) zu sehen. Dagegen spricht dann, dass der Adler der deutlich positiver besetzte ist: er verunreinigt sich nicht, er ist ein moderner Gott, der über die Vergangenheit wacht, während die Taube ziemlich schwächelt. Entweder ist diese Unstimmigkeit auf der Metaebene bewusst, quasi ironisch, oder mein Deutungsansatz stimmt von vornherein nicht und der Adler steht für etwas anderes. Was mir dann aber wieder den ersten Absatz unverständlich macht. Bitte um Aufklärung.
Außerdem ist mir nicht klar, warum der Adler ein moderner Gott ist? Früher war er tatsächlich Sinnbild für diverse götter, selbst als divin verehrt. Heute sind viele Bestände im Schwinden begriffen (z.B, unter anderem dadurch, dass er am Ende der Nahrungskette steht und dadurch diverse Toxine, die der Mensch recht großzügig verteilt, bei ihm konzentriert ankommen. Da kann er noch so hoch schweben, er verunreinigt sich erst recht).
Die Taube dagegen - wenn man mal von der modernen Stadttaube ausgeht und nicht zB von der unglückseligen Wandertaube, die, wenn man die Worte des Textes verwenden will, systematisch liquidiert worden ist (nur beim dran Denken krieg ich schon die kalte Mordlust) - hält sich recht gut in der urbanen Umgebung, gedeiht prächtig. Im Vergleich zu dieser Anpassung ist der Adler ein Anachronismus und kein moderner Gott.
Und ja, ich weiß, dass ich das nicht so realistisch-faktisch lesen darf, dass es da um Symbole geht - aber wenn die Realität anfängt, am Symbol zu nagen, dann ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass die symbolsiche Aussagekraft sich langsam abnutzt.
Sprachlich, muss ich gestehen, bin ich nicht übermäßig beeindruckt. "mächtige Flügel" sind nicht unbedingt das allerneueste in der Adlerbeschreibung, und ob Präzision stechend sein kann, weiß ich nicht. Ein Blick kann stechend sein, gerne, oder präzise, das gerne, aber stechende Präzision klingt... nicht wirklichg ganz falsch, aber ein bisschen schief schon.
Und, verzeih mein Genörgel, ist sind da auch etliche Adjektive drin, die nicht nötig sind, die Energie wegnehmen. 'Hilfloses Taumeln' beispielsweise... Taumeln ist immer hilflos. Dadurch, dass ich das trotzdem noch einmal dazugesagt bekomme, verliert der Ausdruck an Kraft, weil das Leserhirn nicht mehr selbst zum Schluss kommt (Taumeln = hilflos), sondern diese Assoziationsarbeit schon erledigt und damit für den Geist belanglos ist.
Okay, sorry für das fitzelige Gesemper und lieber Gruß,
Silly
ich muss zuerst einmal ein Protestgeheul zur Verteidigung der Flugfähigkeit der gemeinen Taube anstimmen. Wir reden hier immerhin von einem Tier, bei dem fünfzig Prozent der Muskelmasse der Fortbewegung in der Luft dienen und das höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h erreichen kann und über viele, viele Kilomenter sich wieder heimfindet, ohne dass die Wissenschaft genau sagen könnte, wie sie es machen. Also, von wegen kleine Lungen und hilfloses Taumeln... :besserwisser:
Aber gut, darum geht es jetzt nicht. Also, zum Text: Der vom ersten Absatz aufgedrängte Deutungsansatz ist der, den Adler als Krieg (bzw. Krieger bzw. imperealistisch-agressive Nation etc.) und die Taube als Frieden (bzw. Opfer bzw. Pazifismus etc) zu sehen. Dagegen spricht dann, dass der Adler der deutlich positiver besetzte ist: er verunreinigt sich nicht, er ist ein moderner Gott, der über die Vergangenheit wacht, während die Taube ziemlich schwächelt. Entweder ist diese Unstimmigkeit auf der Metaebene bewusst, quasi ironisch, oder mein Deutungsansatz stimmt von vornherein nicht und der Adler steht für etwas anderes. Was mir dann aber wieder den ersten Absatz unverständlich macht. Bitte um Aufklärung.
Außerdem ist mir nicht klar, warum der Adler ein moderner Gott ist? Früher war er tatsächlich Sinnbild für diverse götter, selbst als divin verehrt. Heute sind viele Bestände im Schwinden begriffen (z.B, unter anderem dadurch, dass er am Ende der Nahrungskette steht und dadurch diverse Toxine, die der Mensch recht großzügig verteilt, bei ihm konzentriert ankommen. Da kann er noch so hoch schweben, er verunreinigt sich erst recht).
Die Taube dagegen - wenn man mal von der modernen Stadttaube ausgeht und nicht zB von der unglückseligen Wandertaube, die, wenn man die Worte des Textes verwenden will, systematisch liquidiert worden ist (nur beim dran Denken krieg ich schon die kalte Mordlust) - hält sich recht gut in der urbanen Umgebung, gedeiht prächtig. Im Vergleich zu dieser Anpassung ist der Adler ein Anachronismus und kein moderner Gott.
Und ja, ich weiß, dass ich das nicht so realistisch-faktisch lesen darf, dass es da um Symbole geht - aber wenn die Realität anfängt, am Symbol zu nagen, dann ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass die symbolsiche Aussagekraft sich langsam abnutzt.
Sprachlich, muss ich gestehen, bin ich nicht übermäßig beeindruckt. "mächtige Flügel" sind nicht unbedingt das allerneueste in der Adlerbeschreibung, und ob Präzision stechend sein kann, weiß ich nicht. Ein Blick kann stechend sein, gerne, oder präzise, das gerne, aber stechende Präzision klingt... nicht wirklichg ganz falsch, aber ein bisschen schief schon.
Und, verzeih mein Genörgel, ist sind da auch etliche Adjektive drin, die nicht nötig sind, die Energie wegnehmen. 'Hilfloses Taumeln' beispielsweise... Taumeln ist immer hilflos. Dadurch, dass ich das trotzdem noch einmal dazugesagt bekomme, verliert der Ausdruck an Kraft, weil das Leserhirn nicht mehr selbst zum Schluss kommt (Taumeln = hilflos), sondern diese Assoziationsarbeit schon erledigt und damit für den Geist belanglos ist.
Okay, sorry für das fitzelige Gesemper und lieber Gruß,
Silly
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Adler werden überschätzt.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Hallo Silentium ,
zuerst einmal Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich muss dir voll und ganz zustimmen, die armen Flügeltiere darf man nicht beschimpfen, in den Dreck ziehen, in hässlichen Geschichten missbrauchen, etc. Ich schäme mich...
Zum Text:
Sei mir nicht böse, aber mit den Vögeln habe ich eigentlich den Herrn Professor gemeint. Das kam in etwa so: Am Mittwoch um 9:45 befinde ich mich normalerweise mit einigen Studenten und seeehr vielen Rentnern im Vorlesungssaal. Der Herr Professor spricht über den 2. WK. und das tut er sehr gut. Messerscharfe Analysen, gut strukturiert, formvollendet vorgetragen. Kurz: Das Musterbild eines Historikers.
Im Vorlesungssaal habe ich dann das Träumen angefangen, die Körpersprache des Herrn Professors beobachtet, darauf geachtet, wie er spricht, nicht was er spricht. Schnell kommt eine Assoziation zur anderen, schon seh ich nur noch Adler, fette Tauben, allerlei anderes ...
Formell: Ist man als Schreiberling nicht zum Epigonentum verurteilt? Die Adjektive werd ich noch mal überdenken. Vielleicht ist das „hilflos“ wirklich überflüssig.
Gruß
andres
zuerst einmal Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich muss dir voll und ganz zustimmen, die armen Flügeltiere darf man nicht beschimpfen, in den Dreck ziehen, in hässlichen Geschichten missbrauchen, etc. Ich schäme mich...
Zum Text:
Sei mir nicht böse, aber mit den Vögeln habe ich eigentlich den Herrn Professor gemeint. Das kam in etwa so: Am Mittwoch um 9:45 befinde ich mich normalerweise mit einigen Studenten und seeehr vielen Rentnern im Vorlesungssaal. Der Herr Professor spricht über den 2. WK. und das tut er sehr gut. Messerscharfe Analysen, gut strukturiert, formvollendet vorgetragen. Kurz: Das Musterbild eines Historikers.
Im Vorlesungssaal habe ich dann das Träumen angefangen, die Körpersprache des Herrn Professors beobachtet, darauf geachtet, wie er spricht, nicht was er spricht. Schnell kommt eine Assoziation zur anderen, schon seh ich nur noch Adler, fette Tauben, allerlei anderes ...
Formell: Ist man als Schreiberling nicht zum Epigonentum verurteilt? Die Adjektive werd ich noch mal überdenken. Vielleicht ist das „hilflos“ wirklich überflüssig.
Gruß
andres
werden.
Re: Von großen und kleinen Vögeln
aber mit den Vögeln habe ich eigentlich den Herrn Professor gemeint.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaha! Da erleuchtet sich dann doch einiges...
Lieber Gruß,
Silly
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- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Hallo andres,
ich habe deinen Text gelesen und konnte leider nichts so recht damit anfangen.
Eher unfreiwillig komisch fand ich die Vorstellung, dass dein Adler auf Wellen reiten kann. Irgendwie passt surfen für mich nicht so zu einem Vogel
Zumindest nicht zu einem Adler, den du wahrscheinlich als edles und stolzes Tier darstellen wolltest.
Auch, wenn ich davon ausgegangen bin, dass das ganze ein Witz ist, kommt der nicht rüber.Der Hinweis auf den Professor ist eine kleine Hilfe.
Die Beschreibungen zu Adler und Taube klingen etwas holprig.
Das Highlight in deinem Text ist für mich das Bild der asthmatischen Taube, die Taubenliebhaber dürfen sich aufregen. Aber ich mag die fetten Straßentauben nicht so gerne, deswegen hat mich das angesprochen.
Und Silentium: danke für deine Kritik, die ist sehr unterhaltsam. Wir sollten hier bei O livro Sternchen für die Qualität der Kritiken einrichten. Deine ist sehr lesenswert.
Lieber Gruß,
KaRe
ich habe deinen Text gelesen und konnte leider nichts so recht damit anfangen.
Eher unfreiwillig komisch fand ich die Vorstellung, dass dein Adler auf Wellen reiten kann. Irgendwie passt surfen für mich nicht so zu einem Vogel
Auch, wenn ich davon ausgegangen bin, dass das ganze ein Witz ist, kommt der nicht rüber.Der Hinweis auf den Professor ist eine kleine Hilfe.
Die Beschreibungen zu Adler und Taube klingen etwas holprig.
Das Highlight in deinem Text ist für mich das Bild der asthmatischen Taube, die Taubenliebhaber dürfen sich aufregen. Aber ich mag die fetten Straßentauben nicht so gerne, deswegen hat mich das angesprochen.
Und Silentium: danke für deine Kritik, die ist sehr unterhaltsam. Wir sollten hier bei O livro Sternchen für die Qualität der Kritiken einrichten. Deine ist sehr lesenswert.
Lieber Gruß,
KaRe
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Hallo Andres,
ich stimme KaRe zu, das mit den Wellen ist ziemlich schief
.
Ich finde ganz interessant, wie Dein Literarisches Ich sich hier selbst entlarvt, bin aber nicht ganz sicher, ob Du das wirklich wolltest.
Der vermeintliche Adler, den das LI da so kraftvoll zu Boden zwingt, nur durch die Macht seines Blickes...
...ist ja auch nur vom LI auf diese Höhe gehoben worden. Der Historiker als solcher hat nur einen kurzen Auftritt, und das, was er da doziert, rechtfertigt schon eine strenge oder zumindest ernste Miene.
Das LI macht also den Historiker erst zum mächtigen Adler, lädt den armen Vogel dann auch noch zusätzlich auf...
...um sich dann, in heroischer Pose, dagegen zu stellen und aus dem Adler eine Luftratte zu machen. Recht gehässig übrigens:
Der Adler ist wohl tatsächlich ein "Angeblicher" - bloss macht er sich nicht selbst dazu, sondern wird dazu gemacht. So kämpft es sich leicht - erst eine Mücke zum Elefanten machen, und dann mit der Fliegenpatsche zum Elefantenjäger werden.
Für ein Fazit ist der Text mir zu zusammenhanglos. Sollte dies eine Fingerübung in Entlarvung eines LI sein, so wäre sie gelungen. Sollte das LI hingegen als heroischer Streiter gegen den "Angeblichen" gezeigt werden - daneben.
Was das Sprachliche betrifft, schließe ich mich Silentium an. Kurz: Viel zu viele Adjektive.
Greetz
Razorback
P.S.: Noch was - egal wie man den Text liest, ein Wort darin ist dermaßen unpassend, dass es sich liest, wie ein Tritt in die... Du verstehst schon.
Nee... ehrlich. Ein dermaßen technisches Kunstwort in so einem Text? Es ist schon klar, nochmal "Augen" wolltest Du nicht - aber Deine Lösung ist ein leuchtendes Schild:
"Achtung, ich habe ein Synonym gesucht, aber leider kein anständiges gefunden!"
Das kannst Du besser, oder? Ein Vorschlag: "mich" . Das ist sicher kein Knaller, würde aber zum Beispiel die heroische Pose des LI noch verstärken - falls es Dir um dessen Entlarvung geht.
ich stimme KaRe zu, das mit den Wellen ist ziemlich schief
Ich finde ganz interessant, wie Dein Literarisches Ich sich hier selbst entlarvt, bin aber nicht ganz sicher, ob Du das wirklich wolltest.
Der vermeintliche Adler, den das LI da so kraftvoll zu Boden zwingt, nur durch die Macht seines Blickes...
Also hebe ich die Lider, strenge den Sehapparat an und enttarne den Angeblichen.
...ist ja auch nur vom LI auf diese Höhe gehoben worden. Der Historiker als solcher hat nur einen kurzen Auftritt, und das, was er da doziert, rechtfertigt schon eine strenge oder zumindest ernste Miene.
Das LI macht also den Historiker erst zum mächtigen Adler, lädt den armen Vogel dann auch noch zusätzlich auf...
Seine Heimat ist die Höhe, der Himmel, der frühere Wohnsitz der Götter. Ein moderner Gott, mit stechender Präzision wacht er über die Vergangenheit, beständig über dem schmutzigen Menschengewühle schwebend, sich nicht verunreinigend.
...um sich dann, in heroischer Pose, dagegen zu stellen und aus dem Adler eine Luftratte zu machen. Recht gehässig übrigens:
Nichts weiter als eine ängstliche Taube mit Übergewicht (...).
Der Adler ist wohl tatsächlich ein "Angeblicher" - bloss macht er sich nicht selbst dazu, sondern wird dazu gemacht. So kämpft es sich leicht - erst eine Mücke zum Elefanten machen, und dann mit der Fliegenpatsche zum Elefantenjäger werden.
Für ein Fazit ist der Text mir zu zusammenhanglos. Sollte dies eine Fingerübung in Entlarvung eines LI sein, so wäre sie gelungen. Sollte das LI hingegen als heroischer Streiter gegen den "Angeblichen" gezeigt werden - daneben.
Was das Sprachliche betrifft, schließe ich mich Silentium an. Kurz: Viel zu viele Adjektive.
Greetz
Razorback
P.S.: Noch was - egal wie man den Text liest, ein Wort darin ist dermaßen unpassend, dass es sich liest, wie ein Tritt in die... Du verstehst schon.
Sehapparat
Nee... ehrlich. Ein dermaßen technisches Kunstwort in so einem Text? Es ist schon klar, nochmal "Augen" wolltest Du nicht - aber Deine Lösung ist ein leuchtendes Schild:
"Achtung, ich habe ein Synonym gesucht, aber leider kein anständiges gefunden!"
Das kannst Du besser, oder? Ein Vorschlag: "mich" . Das ist sicher kein Knaller, würde aber zum Beispiel die heroische Pose des LI noch verstärken - falls es Dir um dessen Entlarvung geht.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
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Re: Von großen und kleinen Vögeln
Ach, Razor, wie schön, wenn einer so gut trifft, was man selbst nicht so klar ausdrucken konnte!
Mein erster Eindruck zu diesem Text war:
"Gott, nervt mich dieser Adler-Pathos".
Aber dann dachte ich, na gut, der Text kritisiert das ja schließlich auch, kann man ihm das also vorwerfen?
Es stellt sich heraus: Ja, man kann (wenn man es so elegant begründet wie Razorback) - denn der Text beschwört den Pathos ja selbst erst herauf und das macht die anschließende Demontage eben allzu bequem.
Allerdings sind, glaub ich, die größten Geister vor diesem Fehler nicht sicher und ohne Razor wär's mir gar nicht aufgefallen. Ich hatte einfach nur ein vages Unbehagen. Ich werde in Zukunft mehr auf diese Fehlerquelle achten.
Wär hätte gedacht, dass dieser Text noch so interessant werden könnte?
Mein erster Eindruck zu diesem Text war:
"Gott, nervt mich dieser Adler-Pathos".
Aber dann dachte ich, na gut, der Text kritisiert das ja schließlich auch, kann man ihm das also vorwerfen?
Es stellt sich heraus: Ja, man kann (wenn man es so elegant begründet wie Razorback) - denn der Text beschwört den Pathos ja selbst erst herauf und das macht die anschließende Demontage eben allzu bequem.
Allerdings sind, glaub ich, die größten Geister vor diesem Fehler nicht sicher und ohne Razor wär's mir gar nicht aufgefallen. Ich hatte einfach nur ein vages Unbehagen. Ich werde in Zukunft mehr auf diese Fehlerquelle achten.
Wär hätte gedacht, dass dieser Text noch so interessant werden könnte?
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Na, na, na, mög:
Was machst Du denn da? In einem Text versuchst Du, Dich als prüde Gouvernante zu beschimpfen (zu Unrecht), hier behauptest Du, nicht in der Lage zu sein, eine rethorischen Kniff zu entlarven... wat soll'n dette?
Allerdings sind, glaub ich, die größten Geister vor diesem Fehler nicht sicher und ohne Razor wär's mir gar nicht aufgefallen.
Was machst Du denn da? In einem Text versuchst Du, Dich als prüde Gouvernante zu beschimpfen (zu Unrecht), hier behauptest Du, nicht in der Lage zu sein, eine rethorischen Kniff zu entlarven... wat soll'n dette?
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Re: Von großen und kleinen Vögeln
Ich glaube, es ist weniger ein rhetorischer Kniff als ein Denkfehler und würde vermuten, Andres wäre nicht der erste, der sich mit der hehren Absicht trägt, etwas zu demontieren und gar nicht bemerkt, dass er zuvor das Fragliche erst einmal fleißig mitkonstruieren muss, damit er es schöner demontieren kann.
Aber ich unterstelle ihm hier wieder einmal weniger Absicht, als ich fairerweise vermuten sollte.
Was mich betrifft: Kann sein, ich bin im Moment wohl wirklich etwas defensiv unterwegs.
Aber ich unterstelle ihm hier wieder einmal weniger Absicht, als ich fairerweise vermuten sollte.
Was mich betrifft: Kann sein, ich bin im Moment wohl wirklich etwas defensiv unterwegs.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Von den Toten erwacht, also endlich wieder Leben in der Bude! Wunderbar.
Zunächst einmal herzlichen Dank für die Stimmen und Kommentare.
Zum Text:
@ KaRe: Natürlich ist ein gewisses Lächeln beabsichtigt, wobei das nicht alleinige Intention ist. Die Bilder haben auch einen ernsthaften Hintergrund.
Hmmm....Den surfenden Adler habe ich nicht bedacht. Würdevolles Reiten auf luftiger Substanz zu einem Bild zusammengefügt, jedoch nicht beachtet, dass dieses Bild schon in einem anderen Kontext durchaus üblich ist.
@ razor: Eine „Entlarvung“, oder anders ausgedrückt, eine inhärente Kritik an dem scheinbar Erkennenden ist beabsichtigt. Es werden zwei Sichtweisen auf ein Objekt vorgestellt und problematisiert. Der letzte Satz jedoch stellt beide Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander und zeigt die jeweilige Relativität.
Und zu dem Sehapparat: Denkbar wäre doch, dass dieses Wort nicht nur als Ersatz für das Wörtchen „Auge“ fungiert. Denkbar wäre doch, dass dieses Wort im Kontext des „Erkennens“ eine maßgebliche (inhaltliche) Bedeutung hat.
@ mög: Du hast recht, der Text baut den Adler pathetisch auf, um ihn dann demontieren zu können. Doch die Demontage wird letztendlich auch kritisch dargestellt, im letzten Satz direkt neben der Montage platziert. Tja, ob das ein rhetorischer Kniff oder ein Denkfehler ist, bleibt deiner Fantasie überlassen.
Nach dieser Betrachtung wird Vol. 2 der Vogelkunde sich (1.) um einige „holprige Momente“ kümmern und (2.) den perspektivischen Übergang zu der letzten Aussage verdeutlichen.
Last but not least:
Falls ich einige meiner wirren Gedankenstränge nicht verständlich übersetzen konnte, möchte ich untertänigst mit diesen Worten
um Verzeihung bitten.
Gruß
Andres
Zunächst einmal herzlichen Dank für die Stimmen und Kommentare.
Zum Text:
@ KaRe: Natürlich ist ein gewisses Lächeln beabsichtigt, wobei das nicht alleinige Intention ist. Die Bilder haben auch einen ernsthaften Hintergrund.
Hmmm....Den surfenden Adler habe ich nicht bedacht. Würdevolles Reiten auf luftiger Substanz zu einem Bild zusammengefügt, jedoch nicht beachtet, dass dieses Bild schon in einem anderen Kontext durchaus üblich ist.
@ razor: Eine „Entlarvung“, oder anders ausgedrückt, eine inhärente Kritik an dem scheinbar Erkennenden ist beabsichtigt. Es werden zwei Sichtweisen auf ein Objekt vorgestellt und problematisiert. Der letzte Satz jedoch stellt beide Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander und zeigt die jeweilige Relativität.
Und zu dem Sehapparat: Denkbar wäre doch, dass dieses Wort nicht nur als Ersatz für das Wörtchen „Auge“ fungiert. Denkbar wäre doch, dass dieses Wort im Kontext des „Erkennens“ eine maßgebliche (inhaltliche) Bedeutung hat.
@ mög: Du hast recht, der Text baut den Adler pathetisch auf, um ihn dann demontieren zu können. Doch die Demontage wird letztendlich auch kritisch dargestellt, im letzten Satz direkt neben der Montage platziert. Tja, ob das ein rhetorischer Kniff oder ein Denkfehler ist, bleibt deiner Fantasie überlassen.
Nach dieser Betrachtung wird Vol. 2 der Vogelkunde sich (1.) um einige „holprige Momente“ kümmern und (2.) den perspektivischen Übergang zu der letzten Aussage verdeutlichen.
Last but not least:
Falls ich einige meiner wirren Gedankenstränge nicht verständlich übersetzen konnte, möchte ich untertänigst mit diesen Worten
Ach, Razor, wie schön, wenn einer so gut trifft, was man selbst nicht so klar ausdrucken konnte!
um Verzeihung bitten.
Gruß
Andres
werden.
Re: Von großen und kleinen Vögeln
Und zu dem Sehapparat: Denkbar wäre doch, dass dieses Wort nicht nur als Ersatz für das Wörtchen „Auge“ fungiert. Denkbar wäre doch, dass dieses Wort im Kontext des „Erkennens“ eine maßgebliche (inhaltliche) Bedeutung hat.
Jaaaa... denkbar ist das schon. Aber ein Stilbruch bleibt es. Und da der Rest Deines Textes nicht den Verdacht nahelegt, es handle sich hier um ein erkenntnistheoretisches Stück im engeren Sinne, liest es sich für mich einfach nur wie ein verunglücktes Synonym. Und anderen Lesern mag es ähnlich gehen. Ist doch schade um Deinen Ansatz.
Unter dem erkenntnistheoretischen Gesichtspunkt habe ich Deinen Text noch gar nicht betrachtet - aber er drängt sich, wie gesagt, zumindest für mich nicht auf. Und sperrige Worte sind zwar allzu häufig Merkmal entsprechender Texte (Kant hat mich geprägt und ich bewundere ihn zutiefst - aber weder durch noch für seinen literarischen Stil
Und wenn man es nur als metaphorischen Ansatz liest - im Bezug auf das Erkennen?
Hm...
Also, wenn man es als Metapher nimmt, so ist es zumindest seltsam, dass Du das Sehen mit geschlossenen Augen verneinst. Gut... "seltsam" ist kein Gegenargument. Trotzdem finde ich, dass Dir der "Sehapparat" auch so gesehen mehr schadet als nützt. Außerdem macht er - als hartes und auffälliges Substantiv - den Satz missverständlich. Im ersten Moment scheint es, als sei der Sehapparat der "Angebliche".
Immerhin: Wie Du siehst, fällt das Wort auf und provoziert. Aber ist es das wert?
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Re: Von großen und kleinen Vögeln
Von den Toten erwacht, also endlich wieder Leben in der Bude! Wunderbar.
Ja, sehr erfreulich, dass sich das Forum von seinem fastkoma wieder regeneriert hat. Ich bin ja hier noch ganz neu... und habe mit Bedauern festgestellt, dass in letzter Zeit ein paar Texte zwar geschrieben, aber noch gar nicht kommentiert worden sind... ich selbst lese Texte nicht "systematisch" (meine: irgendwie auf besonders literaturwissenschaftliche Art) und kommentiere auch dementsprechend eher emotional, als konstruktiv-rational. Und mich beschleicht das Gefühl, dass meine Kommentare vielleicht nicht immer ganz so nützlich sind - zumindest sachlich gesehen.
Weil´s ich nicht so gut kann:
@ razorback: danke für deine sachlichen Kommentare und äußerst lehrreichen Argumente! Da fällt mir glatt auf, dass ich Texte oft nicht derart auf "Konstruktionsebene" betrachte, was ja nicht nur hier im Forum sehr nützlich sein kann.
@andres:
"Sehapparat" ist auch in meinen Augen
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
Re: Von großen und kleinen Vögeln
ich selbst lese Texte nicht "systematisch" (meine: irgendwie auf besonders literaturwissenschaftliche Art) und kommentiere auch dementsprechend eher emotional, als konstruktiv-rational. Und mich beschleicht das Gefühl, dass meine Kommentare vielleicht nicht immer ganz so nützlich sind - zumindest sachlich gesehen.
Ich wollte an dieser Stelle nur mal anmerken, dass ich diese Art von Feedback sehr wohl auch sehr nützlich finde. Es schreibt ja hier vermutlich keiner Texte, die nur unter akademischen Gesichtspunkten interessant sein sollen. Unter akademischen Gesichtspunkten ist schnell mal etwas interessant - wenn man die richtige Herangehensweise wählt, können die selstsamsten Dinge total spannend werden. Wenn ich will, kann ich eine Seminararbeit über Beipackzettel schreiben.
Dass irgendwelche tieferen Wahrheiten zu Tage kommen, wenn man nur lange genug gräbt, ist beinahe unvermeidlich. Ich weiß ja nicht, wie's euch geht, aber was mich beim Schreiben sehr wohl interessiert, ist, ob mein mein Text den Leser überhaupt erst zu dieser intensiveren Auseinandersetzung anregt und da ist sehr wohl die spontane, emotionale Reaktion von Bedeutung.
Aufmerksamkeit ist die entscheidende Währung unserer Gesellschaft. Ich denke, man sollte daher Feedback grundsätzlich zu schätzen wissen, egal aus welcher Perspektive es kommt. Ich habe - hier in diesem Forum auf jeden Fall - noch nie ein Feedback bekommen, dass mir nicht irgendwie genützt hätte. Das heißt noch lange nicht, dass man dann bei einer eventuellen Überarbeitung des Textes auch jedes Feedback verarbeiten muss, aber es ist doch immer interessant zu sehen, wie ein Text wirkk, ob er funktioniert, und für wen er funktioniert und für wen nicht.
Ein Lob daher für KaRe, die/der mit ihren/seinen zahlreichen Kommentaren einen geradezu vorbildhaften Einstand hingelegt hat!
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)
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