Ich glaube wirklich, Hamburger, gelbsucht und Charis, daß er glaubt, dieser Krieg sei gut für die Iraker (bzw. für die, die ihn überleben - was, fairerweise sei es gesagt - die Mehrheit sein wird). Bevor wir, die wir anders denken, höhnisch darüber hinweggehen, sollten wir uns schon klar machen, warum er das glaubt. Mir scheint, wie ich oben schon einmal sagte, daß er tatsächlich der Meinung ist, Werte wie Demokratie, Gedenkenfreiheit, universelle Menschenrechte etc. würden sich letztlich durchsetzen und seien gewaltsam implantierbar. Ich wünschte, er hätte recht. Wenn er nämlich Recht hätte, dann würden wir wirklich in wenigen Jahren einen blühenden, reichen und freien Irak sehen - einen Vasall der USA, sicher, aber seien wir mal ehrlich und sehen wir in unsere jüngere Geschichte: Es lebt (oder lebte) sich nicht schlecht als Vasall der USA.
Ich denke anders, ich glaube nicht an die Möglichkeit eines universellen, gerechten, mit Demokratie verbundenen Kapitalismus (schliesslich leben wir als Minderheit gut auf Kosten der Mehrheit der Weltbevölkerung) und ich glaube auch nicht daran, dass unser Wertesystem universell gemacht werden kann (ich glaube sogar, dass das so genannte westliche Wertesystem sich in voller Auflösung befindet). Ich fürchte, nach diesem Krieg wird es im Irak auf Jahre hinaus eine Art neuen Libanon oder neuen Kongo geben: Bürgerkrieg allenthalben, eine gewaltsame Ordnung nur dort, wo das Öl ist, bekämpft durch Terror und Guerilla, alles auf Kosten des irakischen Volkes. Ehrlich: Herr Strackas Vision gefällt mir besser. Ich bin nur leider kein Optimist.
Übrigens bin ich absolut dagegen, solche Begriffe wie "Kollateralschaden" zu meiden. Im Gegenteil: Wir müssen sie mit den Bildern belegen, die ihnen entsprechen. Denn wenn jeder mit dem Begriff ""Kollateralschaden" tote Kinder in zerfetzten Bunkern assoziiert, dann stehen die Propagandisten doof da und können ihren schönen Begriff nicht mehr benutzen. Ich meine das völlig ernst: Immer kräftig "Kollateralschaden" sagen, wenn tote Zivilisten zu sehen sind, dann wird bald kein Amerikanischer General mehr locker sagen: "There was some collateral damage, also." Machen wir der Propagenda das Leben schwer :-p
no pasaran
Razorback
P.S.: Was das Öl betrifft, Charis - es ist ja noch schlimmer. Wir sind völlig vom Öl abhängig - die Kunststoffproduktion sei nur als weiteres Beispiel genannt. Und die Reserven werden knapper. Angeblich gibt es noch grosse Reserven in Sibirien. Wollen wir hoffen, dass Herr Bush sich darüber keine Gedanken macht...
P.P.S.: Ich sage auch immer "nach dem Krieg". Ebenfalls so eine Propagandafalle, in die ich da tappe, er ist weder vorbei, noch entschieden. Er wird auch nicht entschieden sein, wenn die Amerikaner das Land besetzt haben. Wie er ausgegangen ist wird man sehen, wenn sie wieder abziehen. Oder abziehen müssen.