Mein neuer roter Mantel.
Für J.
Ich stecke die Hände in die Taschen. Mein neuer Mantel - wie wunderbar rot er ist; die Taschen, leer. Ich bewege meinen Hände. Kein Metall vom kalten Schlüsselbund, das klimpert. Kein Taschentuch, kein Lippenstift; nichts ist da zum Festhalten und zwischen den Fingern drehen. Versunken in meine Taschen gehe ich weiter. Dann glaube ich ein Stück Papier zu spüren. Deine kleine Visitenkarte, die du mir vor langer Zeit nach einem Theaterbesuch in meine Manteltasche geschmuggelt hast. Von hinten umarmt und beherzt hinein gegriffen, hast du. Ein lausiger Vorwand: Mir ist kalt. Nun wärme meine Hände.
Erst viel später finde ich das schmale Kärtchen. Denn den ganzen Heimweg hast du mich bei den Händen gehalten und verhindert, dass meine Finger in die schützende Wärme entfliehen können. Sie hatten keine Chance dein Geschenk zu erfühlen.
Im Fahrstuhl, auf dem Weg zu deiner Wohnung, Stunden später, habe ich das versteckte gefunden. Verschlafen und aus reiner Gewohnheit gegen die Wand gelehnt, lies ich meiner Finger im Stoff verschwinden. Das Papier gehörte dort nicht hin und überrascht fischte ich es aus meiner Tasche. Ich sah es an und lächelte. Die Fahrstuhltür öffnete sich und ich schenkte auch den jungen Mann, der hinzu stieg, ein Lächeln. Voller Freude klingelte ich an deiner Tür.
Doch jetzt ist meine Tasche leer. Mein neuer roter Mantel ist ohne Anhänger, ohne Mitbringsel. Womit soll ich seine Taschen füllen? Ich stecke die Hände tiefer hinein. Nein, es bleibt kein Zweifel: sie sind wirklich leer. Ich schlage den Kragen hoch und kuschel mich an den warmen Stoff. Ich betrachte die Visitenkarte, die ich aus meinem Portemonnaie gezogen habe. Oben orange, und unten weiß. Projektleiter. Ein Lächeln huscht über meine Lippen. Mit einer vorsichtigen Geste lasse ich sie in die Tasche meines Mantels gleiten.