so kommts...

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razorback
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Re: so kommts...

Beitragvon razorback » 09.01.2006, 17:12

Hi Eja!

Lob und Tadel auch von mir, mit dem Tadel fange ich mal an:

Das ist nicht besonders originell.
An sich ist das nicht mal eine richtige Kritik, wirklich Originelles ist selten, und wenn man etwas neu aufgießt, sollte man es zumindest gut machen. Du machst es gut (siehe unten, Lob), also ist das eigentlich mehr eine Bemerkung als eine Kritik. Das Thema ist eben schon xmal behandelt worden - allerdings sehr, sehr oft schlechter als von Dir.

Titel und Schluß sind nicht so gelungen. Der Titel wirkt - bezogen auf diesen leichtfüßigen Text - sehr schwer, und zwar aufgesetzt schwer. Der letzte Satz ist überflüssig, das versteht sich von selbst.

Zum Lob:

Ich bin sehr froh, dass Du nicht der Versuchung erlegen bist, eine blutige Horrorgeschichte zu erzählen. Dann wäre der Text nämlich wirklich sehr unoriginell geworden, und vermutlich sehr langweilig. Das Thema ist so uralt, dass jede Neuerzählung ein Risiko ist. Du hast einen Weg gefunden, der - wie ich finde - funktioniert: Ein leichtes, witziges Geplaudere, das fast alles der Phantasie des Lesers überlässt, den Geist des Li aber ausreichend entkleidet und daher umso grauenhafter ist. Ich führe direkte Gegenrede gegen Ham: Du hast es richtig gemacht, less ist hier very much more! Vielleicht ist das eine Frage der Erfahrung, ich kenne halt Blut- und Gekröse- und Horror- und Thriller- und Dergleichenliteratur sehr gut. Es gibt Ausnahmen (Clive Barker!!!) aber meist sind es die schwächeren Autoren, die sich in Metzelorgien flüchten - weil sie entweder sich oder dem Leser nicht trauen. Du vertraust uns Lesern völlig, und ich bedanke mich dafür.

Mir gefällt übrigens gerade die Kühlschrank / kühl - Formulierung besonders, da blitzt der Wahnsinn des LI fein durch. Ein gutes Pendant zu irrem Gekicher.

Alles in allem: :ja:
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Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

Eja
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Re: so kommts...

Beitragvon Eja » 07.02.2006, 23:48

danke für eure antworten!
vielen dank!

aber um euch allen gerecht zu werden und richtig darauf antworten zu können, brauch ich zeit. ich mein damit, ich kann nicht so oft online kommen, hatte nen stress, aber ich werd hier relativ bald wieder schreiben. :-)

bitte nit böse sein, weil i so lang nicht geantwortet hab...

lg, Eja
..., oda.

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Re: so kommts...

Beitragvon Hamburger » 08.02.2006, 16:19


bitte nit böse sein, weil i so lang nicht geantwortet hab...


Eja ist wieder da! :-)
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Re: so kommts...

Beitragvon Eja » 08.03.2006, 21:54

Also, erstmals vielen Dank für euer Lob und vor allem für die konstruktiven Kritiken. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Feedbacks bekomme. Was ganz hin und weg :-D

1. zum Titel: Ehrlich gesagt hab ich auf den Titel nicht sonderlich geachtet. „Wahre Liebe?“ war eine Spontanaktion, vor dem online Stellen hatte der Text nicht mal einen …

2. zu Ham: ich wollte nicht wirklich auf das Opfer eingehen, eher auf den Täter. Er hat das Opfer umgebracht, zerstückelt und in der Wohnung verteilt und tut dennoch so, als sei das alltäglich. Aber ich befürchte, ich hab das nicht so gut rüber gebracht.

3. zu Ham: das Ende ist im Prinzip so, wie du es sagst. Ich hatte ja eine Beta und sie hat das auch gesagt. Ich habs geändert, aber ich hab den Text in der Schul online gestellt und nicht daran gedacht, dass es nicht die „überarbeitete“ Version ist. Sorry.

…(und natürlich bei „Artwork“ deine Bilder reinstellen ;-) )…

hahahah, nein nein. Ich hab mich schon zu diesem Text durchringen müssen, die Bilder kannst du gleich vergessen *grins*

² KamikazeSpatz
Danke für deinen Kommentar, es hat schon gepasst. Ich glaub, ich hab verstanden was du sagen wolltest ^^
Es ist wirklich nicht sehr originell, solche Texte liest man überall in mehrfacher Ausführung. Aber mir hat die Thematik gefallen und irgendwie denk ich mir, könnte ich was daraus machen.. Mit eurer Hilfe .. ? ;-)

²Silentium

Weil Szenen mit viel Dunkel und ein paar Geräuschen meist grausiger sind als hübsche Schlachtorgien.

Stimmt, die menschliche Phantasie ist die Stärkste Waffe eines „Horrorautors“ etc. Ist wirklich grausam…

Ed Gein? Nein, leider … Wer ist das?

²Ham


Zitat:


Interessant - mir warens der Andeutung schon fast wieder ein paar zu viele. Das mit den Händen beispielsweise. Zu dem Zeitpunkt, wo er spätestens begriffen haben MUSS, dass das LD zerlegt aufbewahrt wird (ich würde sagen, das ist ungefähr bei den Beinen am Dachboden), könntest du den Leser ein wenig an diesem Wissen gurgeln lassen und die Sache mit der Beziehung fröhlich auswalzen. Weil Szenen mit viel Dunkel und ein paar Geräuschen meist grausiger sind als hübsche Schlachtorgien.



Nur um sicher zu gehen: Ich habe nicht gemeint, dass man nicht versteht, dass da jemand in seine Körperteile zerlegt wurde, sondern vielmehr Rückblenden eingefordert, Hintergründe WARUM es dazu kam. Deswegen "zu wenig" - weil eben diese Hintergründe fehlen.

Soll heißen, es sollen ein paar Anspielungen auf das liebe Befinden des Opfers weg und stattdessen immer wieder ein Blick zurück in die Beziehung der beiden?



Zitat:


weiß nicht .. mehr hintergründe im vorfeld bzw in der geschichte würde diese doch eigentlich doch stören und eher etwas von der überraschung am ende nehmen ..



Da bin ich anderer Meinung. Es ist doch möglich die Beziehungsprobleme zweier Menschen sowie ihre Charaktere ausführlicher zu schildern und dann überraschend das Grauen Einzug halten zu lassen. Mir ist nicht klar, warum das nicht gehen soll. Dazu ist noch nicht einmal ein Wechsel der Erzählperspektive notwendig. Ejas erster Absatz, als das LI noch normal wirkt, wäre dann zum Beispiel eine Seite, in der wir wesentlich mehr vom LI über sich selbst und sein Opfer erfahren. Es wird „nur“ dem Muster des ersten Absatzes mehr Raum gegeben, die Normalität (am besten mit kleinen, versteckten Hinweisen auf die wahre Situation, die erst beim zweiten Lesen voll aufgehen) wird länger erhalten. Der Leser könnte dann sogar von der Entwicklung hin zum grausamen Mord umso überraschter sein – weil er ja nach einer Weile glaubt einschätzen zu können wie sich die Geschichte entwickeln wird.


Nun, eigentlich wollte ich deren Beziehung nicht beleuchten, weil es in der Vergangenheit liegt. Der Täter hat sein Opfer getötet und in seiner Nähe, damit hat er die Vergangenheit hinter sich gelassen. Er lebt im „Hier und Jetzt“, weil er ja keine Angst mehr haben muss, dass sein Opfer ihn verlässt, dass er alleine zurückbleibt. Irgendwie so, dass die Vergangenheit mit dem Opfer gestorben ist… Sie ist für den Täter in gewissem Sinne belanglos geworden, weil er jetzt ja hat, was er wollte.

Zu deinem Absatz oben, Ham, der ist wirklich gut. Dem kann ich nichts mehr hinzufügen, da ist eigentlich alles gesagt. Du willst also sagen, dass ich den ersten Absatz ausbauen könnte, Blicke in die Vergangenheit hinzufügen könnte? Sodass der Leser denkt, dass er noch „normal“ ist.
Aber nur muss insbesondere ich dann aufpassen, dass ich den Sprung ins „Jetzt“ schaffe und nicht mit Ausführungen aus der Vergangenheit den Leser langweile. Mich in Ausschweifungen verstricke …(?)

Mir ist allerdings bewusst, was ich da verlange, nämlich eine andere (und sicher auch zeitaufwendigere) Konzeption der Geschichte. Aber dass ich danach verlange ist ja schon eine Auszeichnung für die Geschichte selbst. Denn würde ich die Geschichte schlecht finden würde ich nicht sagen man könnte mehr aus ihr machen.


:-) danke Ham! Du verlangst eigentlich nur eine Überarbeitung und Erweiterung des Textes. Ich bin dir für diese Tipps dankbar, es war ja mein Hintergedanke mit euren Kritiken den Text weiter auszubauen und weiterzuspinnen. ^^

²Edekire

ich denke das du darauf hinauswill, das der TExt an der Oberfläche komisch/Makaber ist, aber diesen leicht unheimliche, traurig bösen untertton hat.

Ich habs zumindest so versucht. :-&

Ich denke, das du, um wirklich diese Wirkung zu erzeugen, einige Dinge weniger deutlich sagen solltest, z.B. weniger eindeutige Beispiele wählen.
dann denke ich das es gut wäre, den charkter ein wenig auszuschmücken.

Die Charaktere auszuschmücken, ihnen „Leben“ einzuhauchen, eine Vergangenheit zu geben ist doch im Grunde auch das, was Ham auch möchte.

Nun, bei mir ist es im Vornherein klar, dass hier jemand tot ist und sein Gegenüber nicht ganz bei Verstand. Aber du hast Recht, wenn man es auf dem „schleichenden“ Weg erfährt, baut sich mehr Spannung auf und es kommt besser rüber.

Den Anfang finde ich sehr unelegant, das dem Li das so bewusst ist kommt mir nicht realitisch vor (…)

Welchen Anfang? Wie meinst du das?

Ich denke nicht, das einem Menschen der unter Verlassenangst leidet, es reicht den Partner festzuhalten. Daher fände ich es logische, wenn das Li sich einreden würde, der Partner wäre freiwillig geblieben.

Ja, stimmt. Das würde besser ins Charakterbild des Täters passen.

²Razorback

Danke, dass du dir den Text durchgelesen hast. Dein Kommentar war eigentlich das Gegenteil von den bisherigen, war erfrischend, das ganze mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
:thanx:

Ich bin sehr froh, dass Du nicht der Versuchung erlegen bist, eine blutige Horrorgeschichte zu erzählen.

das hab ich auch nie vorgehabt, keine Sorge ;-) ...

:-o ... danke Razor, für dein Lob.


ps: Ham, du hast dir wirklich "American Psycho" angesehen? 8-o

Lg, Eja :-)
..., oda.

Eja
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Re: so kommts...

Beitragvon Eja » 17.07.2008, 03:48

Ich weiß, das kommt jetzt reichlich spät und ist wahrscheinlich auch völlig unnötig. Aber ich hatte - auch zur Zeit, als ich den obrigen Text gepostet habe, eine überarbeitete Fassung. Ich Trottel hab sie damals nicht gefunden, aber heute bin ich wieder stolze Besitzerin dessen und dachte mir, vielleicht will es ja jemand lesen ^__^


Also, in dem Sinne...

EDITIERT..wars doch nicht, tut mir wirklich leid... wie kann ich das löschen?..Achja, wie peinlich...*drop*


Soviel wiedermal von mir, Liebe Grüße und viele Kekse

Eja
..., oda.


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