er liebt die weiße welt
wie ein engel. blode haare, beschreibt er. leuchtende augen, groß und rund. vor dem fenster mit dem schattigen rücken zu ihm. hat es flügel? er sagt, er kann sie ahnen. blondes, ja, wallendes haar. wie die sonne, hinter den wolken, ein kleines lächeln, schenkt es ihm. hoch über der stadt liegt das fenster, weit kann es sehen. wie zart und schön, flüstert er. bist du noch da? diese helle, nackte haut. genauso groß wie er. es steht dort am fenster. unbewegt und still. rede mit mir. es dreht den kopf. wie die sonne strahlt, es steht genau in ihrem licht. ein engel ohne flügel, sagt es. es ist ein menschlicher engel, sagt er. mein, menschlicher engel. so dreht es sich langsam weiter. in den schatten hinein.
warum mein engel, bist du nicht vollkommen weiß?
er liebt die weiße welt
er liebt die weiße welt
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
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Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: er liebt die weiße welt
Liebes Fräulein Vogel,
ein ansehnliches Stück Prosa, das sich mir überhaupt nicht erschließen will.
Die kurzen Sätze schaffen eine eigenwillige Atmosphäre. Der Text wirkt sehr dicht, poetisch gedrängt und erzeugt mit wenigen, sehr einfachen Worten einen beachtlichen Bedeutungsraum.
Ich sehe zwei Personen in einer Linie vor einem Fenster - vielleicht eine Frau und einen Mann. Durch den Einfall des Sonnenlichtes wird der letztere Opfer eines optischen Effektes, aber er traut seinen Augen. Er glaubt seinen Augen oder seine Augen bestätigen, was er sehen will. Daher ist es vielleicht nicht nur ein optischer Effekt, sondern ein emotionaler.
Trotzdem lese ich in diesem Text auch eine Abkehr, eine Entfremdung. Die Szene wirkt ein wenig eingefroren (nicht kalt, sondern warm eingefroren), wie das Bild eines Augenblicks. Das "engelsgleiche" Geschöpf wirkt abgewendet, ein Stück entfernt, vielleicht ist (für ihn) nur eine Silhouette sichtbar. Da ist eine Distanz zwischen den beiden (auf einer Ebene des Textes sogar eine beträchtliche irdisch-weltliche Distanz), die durch das Gesagte nicht überbrückt wird: "... ein kleines lächeln, schenkt es ihm." Es ist nur ein kleines, ein mildes, nachsichtiges Lächeln. Und auch die Aufforderung "rede mit mir" wird nur mit einer (leichten) Drehung des Kopfes beantwortet.
Ein Engel ohne Flügel ist vielleicht wie ein Mensch ohne Liebe. So kommt es mir jedenfalls vor.
Besonders bemerkenswert in diesem Text finde ich den Gebrauch des Personalpronomens "es". Diese Kleinigkeit unterstreicht für mich nochmals die Entfremdung, die ich hier zwischen den Zeilen lese und hoffentlich nicht nur hineinlese.
Einen wunderschönen Abend wünscht:
H. Eiter
ein ansehnliches Stück Prosa, das sich mir überhaupt nicht erschließen will.
Die kurzen Sätze schaffen eine eigenwillige Atmosphäre. Der Text wirkt sehr dicht, poetisch gedrängt und erzeugt mit wenigen, sehr einfachen Worten einen beachtlichen Bedeutungsraum.
Ich sehe zwei Personen in einer Linie vor einem Fenster - vielleicht eine Frau und einen Mann. Durch den Einfall des Sonnenlichtes wird der letztere Opfer eines optischen Effektes, aber er traut seinen Augen. Er glaubt seinen Augen oder seine Augen bestätigen, was er sehen will. Daher ist es vielleicht nicht nur ein optischer Effekt, sondern ein emotionaler.
Trotzdem lese ich in diesem Text auch eine Abkehr, eine Entfremdung. Die Szene wirkt ein wenig eingefroren (nicht kalt, sondern warm eingefroren), wie das Bild eines Augenblicks. Das "engelsgleiche" Geschöpf wirkt abgewendet, ein Stück entfernt, vielleicht ist (für ihn) nur eine Silhouette sichtbar. Da ist eine Distanz zwischen den beiden (auf einer Ebene des Textes sogar eine beträchtliche irdisch-weltliche Distanz), die durch das Gesagte nicht überbrückt wird: "... ein kleines lächeln, schenkt es ihm." Es ist nur ein kleines, ein mildes, nachsichtiges Lächeln. Und auch die Aufforderung "rede mit mir" wird nur mit einer (leichten) Drehung des Kopfes beantwortet.
Ein Engel ohne Flügel ist vielleicht wie ein Mensch ohne Liebe. So kommt es mir jedenfalls vor.
Besonders bemerkenswert in diesem Text finde ich den Gebrauch des Personalpronomens "es". Diese Kleinigkeit unterstreicht für mich nochmals die Entfremdung, die ich hier zwischen den Zeilen lese und hoffentlich nicht nur hineinlese.
Einen wunderschönen Abend wünscht:
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...
Re: er liebt die weiße welt
Hallo Hr. Eiter.
Vielen Dank für das Lob, und ich denke, Sie haben den Text sich ganz recht erschlossen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass das was mir vorschwebte auch beim Leser (Oh, sie stehen für alle, Hr. Eiter, freuen Sie sich!) ankommt. Ich mag es im Moment sehr mit der deutschen Grammatik zu spielen
Doch lassen Sie mich eines fragen, Hr. Eiter: Was denken Sie über den letzen Satz?
Oh, heute habe ich Sie wieder gesiest.
Liebe Grüße,
vogel
Vielen Dank für das Lob, und ich denke, Sie haben den Text sich ganz recht erschlossen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass das was mir vorschwebte auch beim Leser (Oh, sie stehen für alle, Hr. Eiter, freuen Sie sich!) ankommt. Ich mag es im Moment sehr mit der deutschen Grammatik zu spielen
Doch lassen Sie mich eines fragen, Hr. Eiter: Was denken Sie über den letzen Satz?
Oh, heute habe ich Sie wieder gesiest.
Liebe Grüße,
vogel
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.
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