Das Ende der Leitung

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Jack Swallow
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Das Ende der Leitung

Beitragvon Jack Swallow » 28.02.2008, 13:40

Schweigen am anderen Ende der Leitung
Kein Atmen ist zu hören, nur Stille
Wir schweigen uns an
Auch ich habe aufgehört zu atmen
um die Stille herrschen zu lassen
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

[) i r k
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon [) i r k » 28.02.2008, 18:48

Hallo Jack,

das ist der erste Text von dir, der mir gefällt.

Besten Gruß,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Jack Swallow
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon Jack Swallow » 28.02.2008, 23:08

Thx Dirk...

habe bei diesem Text immer den Eindruck, daß er zu sachlich rüberkommt...

Grüße zurück
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

razorback
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon razorback » 29.02.2008, 14:32

Nein, absolut nicht zu sachlich. Sachlich passt hier.

Mir gefällt er auch, trotzdem zwei Fragen:


Kannst Du auf "gegenseitig" und "völlig" verzichten? Beides erklärt sich im Zusammenhang sowieso von selbst. Außerdem machen sie ihre jeweilige Zeile sperrig.


"Atmen" oder "Atem" in Zeile zwei? Zweimal "Atmen" beisst sich ein wenig. Andererseits wirkt "Atem" etwas pathetisch...
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon [) i r k » 29.02.2008, 21:31

Mir gefällt vielleicht gerade das Atmen hinter dem "sachlichen" Atemhalten. Das Unausgesprochene. Das Hineinlegendürfen. Sachliche Romanze halt (ohne Vergleiche anstellen zu wollen).
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Jack Swallow
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon Jack Swallow » 01.03.2008, 20:58

@razorback:
Schwierig...kann mich nicht so recht entscheiden. Vielleicht hast du recht und ich sollte den Text doch reduzieren, um den von Dirk angesprochenen Raum der Stille stärker hervortreten zu lassen...

Dank euch beiden...
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

vogel
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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon vogel » 02.03.2008, 22:14

Hallo meine Lieben,

also ich finde den Text gar nicht mal so schlecht.. Bei mir regt er schon was an. Ich habe eig. auch kein Problem mit den Dopplungen, da ja jedes wichtige Wort doppelt vorkommt: Schweigen, Stille, Atmen. Wobei Atmen und Stille sich eine Zeile (die zweite) teilen, sonst haben die Wörter eine eigene Zeile. Interessante Kombination, da Atmen ja normalerweise nicht still ist. Aber da ja kein Atmen zu hören ist -> stille .. Schön..

Das einzige was mich einwenig stört ist...Naja, was heißt stört.. Es fällt mir nur immer wieder auf:
Auch ich habe

Das ist ein Prozess, er hat aufgehört. Um jetzt Stille zu haben. Ich glaube, ich würde es stimmungsvoller finden, wenn es im Präzens geschrieben wäre.. Dass das LI die Stille hört, und dann selber auch Stille erzeugt..

Was meint ihr?

Liebe Grüße,
Vogel


PS: Jack, könntest du bitte wieder die Org. Zeilen reinstellen, und dann deine editierte Version? Ich kann Razors Kommentar sonst irgendwie nicht nachvollziehen ;-)
Mein Beitrag bezieht sich nat. auch die akt. Version..
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.

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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon Jack Swallow » 03.03.2008, 09:15

Klar, vogel...
Hier nochmal die ursprüngliche Version:

Schweigen am anderen Ende der Leitung
Kein Atmen ist zu hören, nur Stille
Wir schweigen uns gegenseitig an
Auch ich habe aufgehört zu atmen
um die Stille völlig herrschen zu lassen

Das ist ein Prozess, er hat aufgehört. Um jetzt Stille zu haben. Ich glaube, ich würde es stimmungsvoller finden, wenn es im Präzens geschrieben wäre.. Dass das LI die Stille hört, und dann selber auch Stille erzeugt..

Bezogen auf die Textpassage "Auch ich habe...".

Ja, es ist ein Prozeß der Beendigung, oder so...
Doch dieses "Auch..." bezieht sich gleichzeitig auf den "Anderen"...und als Reaktion auf den Umstand, daß der Andere im Atmen innehält, stellt das lyrische Ich das Atmen ebenfalls ein, um Stille herrschen zu lassen.
In dieser gemeinsam erzeugten Stille, entsteht eine Art lyrisches Vakuum, das einen Sogeffekt für Interpretationen und Bedeutungen entwickelt (hoff ich zumindest)...
Das heißt, die Stille wir zuerst vom anderen erzeugt und das Lyrische Ich stimmt in diese Stille mit ein...
"Dem schauenden Auge das Wort lassen" (Edmund Husserl)

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Re: Das Ende der Leitung

Beitragvon vogel » 03.03.2008, 16:18

Die zweite Version gefällt mir eindeutig besser...

Das heißt, die Stille wir zuerst vom anderen erzeugt und das Lyrische Ich stimmt in diese Stille mit ein...
Ja, so habe ich mir das schon gedacht. Jetzt finde ich den Vorschlag mit dem Präsenz auch nicht mehr so gut.. Schließlich schweigen sie ich in Zeile 3 ja schon an, also muss er vorher schon aufgehört haben zu atmen..
:-)

Liebe Grüße.
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.


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